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Tierforschung: mehr Vertrauen, Transparenz und Kommunikation

Im vergangenen November kamen fast 80 Biowissenschaftler aus der Schweiz, Deutschland, Schweden, Frankreich und Grossbritannien in Basel zusammen, um Themen rund um die Forschung mit Tieren zu diskutieren. Das Ergebnis war die «Deklaration von Basel», eine beispiellose Selbstverpflichtung der biowissenschaftlichen Gemeinschaft zum verantwortungsvollen Umgang mit Tieren in der Forschung zur Umsetzung der 3R-Prinzipien (Reduce – Verringern, Refine – Verbessern und Replace – Ersetzen) und zur besseren Kommunikation mit der Öffentlichkeit.
Tierversuche sind eine tragende Säule der biomedizinischen Forschung und die Schlüssel zu vielen grossartigen medizinischen Fortschritten, die wir heute als selbstverständlich ansehen. Insulin, Antibiotika und Impfstoffe: Nichts davon wäre ohne Tierversuche entdeckt oder entwickelt worden. Das Gleiche gilt für die moderne Diagnostik und Chirurgie.
Die Liste der Nobelpreise für Medizin und Physiologie belegt klar und deutlich, wie wichtig Tierversuche für den medizinischen Fortschritt sind. Bei der Arbeit von 75 der 98 Preisträger spielten sie eine Rolle.
Trotz dieser gut dokumentierten medizinischen Fortschritte und kontinuierlicher Verbesserungen des Tierschutzes behindern falsche und oft negative Vorstellungen von der Forschung mit Tieren die Arbeit der biomedizinischen wissenschaftlichen Gemeinschaft immer stärker.
«Das Thema Tierversuche wird uns auch in Zukunft stets begleiten», so Stefan Treue, Leiter des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen und stellvertretender Vorsitzender der Basler Expertentagung «Research at a Crossroads». «Deshalb brauchen wir Solidarität unter den Wissenschaftlern.» Auf dieser von den Schweizer Verbänden Interpharma und Forschung für Leben unterstützten Tagung besprachen fast 80 Forschende die Problematik von Tierversuchen. Das internationale Expertengremium diskutierte nicht nur die Beiträge von Tierversuchen zur biomedizinischen Forschung, sondern auch Möglichkeiten, den Tierschutz zu verbessern, die 3R-Prinzipien verstärkt durchzusetzen und die Kommunikation mit der Öffentlichkeit zu optimieren.
Höhepunkt der Konferenz war die Verabschiedung der Deklaration von Basel, eines Aufrufs zu mehr Vertrauen, Transparenz und Kommunikation in der Tierforschung. Nach Ansicht von Karin Blumer, Senior Manager Scientific Affairs Switzerland bei Novartis und Mitglied des Programmausschusses der Konferenz «Research at a Crossroads» 2010 ist diese Deklaration ein beispielloser Schritt der Wissenschaftler: «Zum ersten Mal sind internationale Wissenschaftler ohne ein spezielles Motiv und ohne äusseren Druck zusammengekommen, um ihre Ansichten und Gründe für Tierversuche zu vertreten.»
Keine angewandte Wissenschaft ohne Grundlagenforschung
Eines der Kernthemen der Tagung war die Unterscheidung zwischen Grundlagenforschung und angewandter Wissenschaft. Mangelndes Verständnis für das Wesen der Grundlagenforschung – das früheste Stadium jeder Forschung, in dem die klinischen Vorteile oft noch nicht erkennbar sind – hat zu neuen Gesetzen geführt, die diese Art der Forschung einschränken sollen. So hatten die Schweizer Wissenschaftler beispielsweise 2009 mit einem Urteil des Bundesgerichts zu kämpfen, nach dem bei Studien im Bereich der Grundlagenforschung der klinische Nutzen nach nur drei Jahren hätte nachgewiesen werden müssen, um Tierversuche zu rechtfertigen.
Paul Herrling, Leiter der Novartis Institutes for Developing World Medical Research, Vizepräsident des ETH-Rats und Mitglied des Universitätsrats der Universität Basel, gab eine Reihe von Beispielen an, in denen die Grundlagenforschung zu bahnbrechenden klinischen Erfolgen geführt hat. «Grundlagenforschung und angewandte biomedizinische Forschung als zwei getrennte Vorgänge anzusehen, ist in gewisser Weise naiv», meinte Herrling. «Beide sind Teile eines Ganzen. Die politischen Verantwortlichen müssen verstehen, dass im Bereich der Tierforschung von Fall zu Fall zu entscheiden ist. Es ist nicht sinnvoll, bestimmte Forschungstätigkeiten zu verbieten, nur weil sie eher als Grundlagenforschung eingestuft werden, denn tatsächlich gäbe es ohne Grundlagenforschung auch keine angewandte Wissenschaft.»
Die Deklaration von Basel unterstützt diesen Aufruf zur Aufgabe der semantischen Unterscheidung zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung.
Weniger Versuche, mehr Dialog
Obwohl die an der Tagung teilnehmenden Experten festhielten, dass Tierversuche für kontinuierliche medizinische Fortschritte unerlässlich sind, waren sie sich auch darüber einig, dass Tierschutz einerseits und wissenschaftliche und medizinische Weiterentwicklungen andererseits nicht als Gegensätze verstanden werden dürfen. Die Unterzeichnenden der Deklaration von Basel unterstrichen ihre Unterstützung der 3R-Prinzipien und verpflichteten sich zu höchsten Standards im Umgang mit Tieren.
Die Erklärung verurteilt die Aktionen extremistischer Tierrechtler, die mit illegalen und manchmal auch gewalttätigen Aktionen auf sich aufmerksam machen, und lädt gleichzeitig alle Interessierten, insbesondere Mitglieder von Tierschutzorganisationen, zu einem offenen Dialog mit der wissenschaftlichen Gemeinschaft ein.
Die Umsetzung – Unterstützung für die Branche
Die Unterzeichnung der Deklaration war ein erster Schritt. Für die Wissenschaftsgemeinschaft geht es nun darum, sie mit Leben zu füllen. In der Schweiz ist dieser Prozess mit Unterstützung des Vereins «Forschung für Leben» schon in vollem Gang. Bereits am 3.Februar haben sich Wissenschaftler in Zürich, Basel, Genf, Lausanne und Fribourg an offenen Diskussionen mit der Öffentlichkeit zum Thema Tiere in der Forschung beteiligt.
Parallel zur Deklaration von Basel setzt auch die pharmazeutische Industrie in der Schweiz mit einer Charta, welche die Rahmenbedingungen für die Tierforschung weiter verbessern soll, neue Standards. Diese weltweit gültige Charta ist auch für Dritte verbindlich.
Novartis hält zu jeder Zeit sowohl die in der Charta vereinbarten Regelungen als auch die Richtlinien der Deklaration von Basel ein. Unsere Prinzipien für den Umgang mit Tieren sind in den Tierschutzbestimmungen von Novartis festgelegt, die in vielen Fällen über die ortsüblichen gesetzlichen Vorschriften hinausgehen. Überdies legt eine Reihe interner Tierschutzstandards spezifische Anforderungen und Vorgehensweisen fest, die sowohl für Novartis selbst als auch für Dritte verbindlich sind, die an von Novartis geförderten Tierversuchsstudien weltweit teilnehmen.
Wir hoffen, dass dank eines fortgesetzten Dialogs, besserer Kommunikation und besserer Aufklärung der Öffentlichkeit auch weiterhin wichtige wissenschaftliche Erfolge möglich sind und die Anzahl der Tierversuche reduziert und vielleicht eines Tages sogar ganz überflüssig werden können, ohne dass die Patienten auf neue, innovative Medikamente verzichten müssen.
Näheres auf:
www.novartis.com/innovation/animals-research/
Die Erklärung in «Nature»:
www.nature.com/news/2010/101206/full/468742a.html

Forschung und Entwicklung

Novartis ist ein führendes Unternehmen in Forschung und Innovation.
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