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Ein beispielloses Geschäftsmodell zur Bekämpfung von Malaria


Agnes Akoth, Oberschwester in der Kombewa Clinic, Kenia

Malaria ist in Afrika südlich der Sahara nach wie vor ein komplexes und vielschichtiges Problem. Im Rahmen der Novartis Malaria Initiative fand dazu kürzlich eine zentrale Diskussionsveranstaltung statt. Ziel war es, die Auswirkungen von Malaria in Afrika genauer zu betrachten und den Weg zu untersuchen, den Novartis eingeschlagen hat, um Innovationen einzuführen und Patienten, unabhängig von ihrem Hintergrund und ihrer Herkunft, den weltweiten Zugang zu Medikamenten zu ermöglichen.

Agnes Akoth, Oberschwester in der Kombewa-Klinik, Kenia, beschrieb den Zuhörern den Schweregrad der Malaria in ihrer Heimatregion Viktoriasee und die Auswirkungen der Erkrankung auf die dort lebende Bevölkerung. „Die Sterblichkeit ist bei Malaria sehr hoch. Wenn nicht sofort eingegriffen wird, verlieren wir den Patienten oder es kommt zu sehr schweren Komplikationen“, stellte sie fest. „Wenn ein Mensch an Malaria stirbt, kommt alles zum Stillstand: Man geht nicht mehr zur Arbeit und die Familien, die den Verlust eines Angehörigen zu betrauern haben, müssen die Beerdigung bezahlen. Dadurch steigt tatsächlich die Armut in Afrika.“

Glücklicherweise wurden in den letzten zehn Jahren bedeutende Fortschritte erzielt. Professor Awa Coll-Seck, Executive Director von Roll Back Malaria (RBM), berichtete den Teilnehmern, dass durch die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigen, kostengünstigen Malariamedikamenten wie Kombinationstherapien auf Artemisinin-Basis (ACT) Millionen von Patienten behandelt werden konnten und gute Fortschritte bei der Ausrottung von Malaria erzielt wurden. Die Präventionsmassnahmen haben ebenfalls viel bewirkt. Zum Beispiel wurden seit 2008 rund 290 Millionen Moskitonetze nach Afrika geliefert. Dadurch konnten 80% der von Malaria bedrohten Menschen versorgt werden (gegenüber 5% im Jahr 2000), und 2009 erhielten 75 Millionen Menschen in Afrika südlich der Sahara eine Innenraumbehandlung mit Insektiziden (gegenüber 15 Millionen im Jahr 2005). Insgesamt konnten durch die Präventionsmassnahmen und den Zugang zu Behandlung schätzungsweise 1,1 Millionen malariabedingte Todesfälle bei Kindern in Afrika südlich der Sahara verhindert werden.


Eingehen eines Geschäftsrisikos, um bedürftigen Menschen zu helfen

Trotz der Verfügbarkeit wirksamer Behandlungen bleibt Malaria für Millionen von Menschen eine tägliche Bedrohung, da die gezielte und rechtzeitige Bereitstellung dieser Medikamente nach wie vor eine grosse Hürde darstellt. Dies wollten Novartis, die Malaria Initiative und ihre Partner ändern. Professor Dr. William Rodriguez von der Harvard University untersuchte genauer die Novartis Malaria Initiative und versuchte, die Entscheidungen zu beurteilen, die Novartis auf einen höchst erfolgreichen Weg bei der Bekämpfung der Malaria gewiesen haben.


Professor Awa Coll-Seck, Executive Director von Roll Back Malaria (RBM)

Novartis beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Malariamedikamenten. Den Beginn markierte die Zusammenarbeit mit chinesischen Wissenschaftlern, um basierend auf den lange bekannten Wirkungen der Pflanze Artemesia annua (Einjähriger Beifuss) eine Behandlung zu entwickeln. „Zunächst handelte es sich um ein kleines Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit einem chinesischen Pharmaunternehmen“, sagte Professor William Rodriguez. „Aus diesem Projekt ist eines der besten Malariamedikamente hervorgegangen, das jemals entwickelt wurde.“

Im Jahr 2001 wurde das Malariamedikament von Novartis – als erstes Festdosis-ACT-Präparat – zugelassen, und das Unternehmen vereinbarte als Beitrag zur Ausrottung von Malaria eine Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Im Rahmen dieser Vereinbarung stellte Novartis das Medikament öffentlichen Gesundheitsdiensten in Entwicklungsländern zum Selbstkostenpreis zur Verfügung. Professor Rodriguez erklärte, dass die Erfüllung dieser Verpflichtung durch drei Faktoren erschwert wurde: die unsichere Nachfrage, Optimierungen in der Produktion und die von Natur aus begrenzte Verfügbarkeit des Einjährigen Beifuss. Die Art und Weise, wie Novartis diese Faktoren bewältigte, war für den Erfolg des Projekts entscheidend.

Da zu diesem Zeitpunkt öffentlich-private Partnerschaften wenig erprobt waren, standen die Wissenschaftler der WHO und anderer UN-Organisationen engen Verbindungen mit der Privatindustrie noch skeptisch gegenüber. Zunächst wagte die WHO die vorsichtige Prognose, dass die ACT-Lieferungen bis zum Jahr 2005 2 Millionen Behandlungseinheiten erreichen würden. Es wurde jedoch schnell klar, dass dies nicht ausreichen würde. Die Prognose für 2005 wurde auf 60 Millionen Behandlungseinheiten erhöht. Novartis produzierte 33 Millionen Behandlungseinheiten, und letztlich wurden nur 9 Millionen abgeholt.

Dies stellte Novartis vor zwei Herausforderungen. Zum einen galt es zu klären, wie die Produktionskapazität kurzfristig auf ein solches Niveau erhöht werden und gleichzeitig die Verpflichtung zur Bereitstellung der Medikamente zum Selbstkostenpreis erfüllt werden könnte. Zum anderen hatten die Anstrengungen zur Bereitstellung der ausreichenden Liefermenge Novartis viele negative Schlagzeilen eingebracht.

Professor Rodriguez erklärte, dass sich Novartis von den Herausforderungen nicht abschrecken liess und es dem Malaria-Team von Novartis mit der unermüdlichen Unterstützung des Managements gelungen ist, das Modell umzusetzen. Das Team beauftragte führende Lieferketten-Experten damit, in Zukunft eine stabile und nachhaltige Rohstoffbeschaffung sicherzustellen. Um die Liefermenge zu erhöhen, arbeiteten die Mitarbeitenden in der Produktionsstätte in Suffern, New York, ab September 2005 rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Bis 2008 war der Betrieb von zwei pharmazeutischen Anlagen – einer in Suffern und einer in Peking, China – erforderlich, um jährlich bis zu 1,6 Milliarden Tabletten oder 100 Millionen Behandlungseinheiten herzustellen.


Professor Rodriguez hat die mit der Malaria Initiative verbundene Herausforderung im Rahmen des Harvard Global Health Delivery Project analysiert. Anhand von 21 Fallstudien der Harvard Business School zu globalen Gesundheitsunternehmen lernen die Studierenden, vor welchen Schwierigkeiten die Unternehmen stehen, wenn sie die Herausforderung der Gesundheitsversorgung für die Armen der Welt annehmen.

Professor Rodriguez betonte, dass der Erfolg der Novartis Malaria Initiative dem unermüdlichen Einsatz, den Investitionen und den Innovationen vieler Mitarbeitender von Novartis zu verdanken war. Ziel war es, ein potenziell lebensrettendes Medikament jedem bereitzustellen, der es benötigte – unabhängig von der Herkunft oder der finanziellen Situation. „Im Grunde geht es darum, wer für die ärmsten Menschen der Welt ein Risiko eingeht“, erklärte er.

Um dies im Rahmen eines traditionellen Pharmaunternehmens zu tun, war Flexibilität erforderlich sowie starke Unterstützung durch das Topmanagement. „Die Umsetzung des Modells ist verständlich, wenn wir von ein paar Millionen Dosen eines Medikaments sprechen. Diese Kosten lassen sich auf verschiedene Weise auffangen“, so Professor Rodriguez. „Wenn wir jedoch von Hunderten Millionen Dosen pro Jahr sprechen, muss dieses Geschäftsmodell der Produktion zum Selbstkostenpreis in der Tat sorgfältig durchdacht werden.“

Laut Professor Rodriguez ist der Erfolg der Novartis Malaria Initiative beachtlich, da „der Erfolg nicht nur mit Millionen geretteter Leben belohnt wird, sondern es verschiedene grosse und kleine Unternehmen gibt, die erkennen, dass sie unter Umständen eine gesellschaftliche Verpflichtung in diesem Bereich haben, sich für die Bekämpfung der Erkrankung in anderen Teilen der Welt einzusetzen, auf die sie sich normalerweise nicht konzentrieren.“


Auf dem Weg zur Bekämpfung und Ausrottung von Malaria

Die enormen Fortschritte, die beim Ausbau der Malariaprävention erzielt wurden, müssen nun aufrechterhalten werden. RBM will bis 2015 die Zahl der Malaria-Toten auf „fast null“ senken und die Malaria in weiteren zehn Ländern ausrotten. Um diese Ziele zu erreichen und den Zugang zur Behandlung zu verbessern, sind weitere massive Anstrengungen erforderlich. Es gilt noch etliche Herausforderungen zu bewältigen, darunter die globale Finanzierungslücke aufgrund der Rezession, dann die schwachen Gesundheitssysteme und schliesslich die potenzielle Entstehung von Arzneimittel- und Insektizidresistenzen. Doch es gibt Hoffnung.

„Wir können nicht hinnehmen, dass Kinder an einer Krankheit sterben, die vermeidbar und behandelbar ist“, erklärte Professor Coll-Seck. „Wenn man die Länder besucht, findet man jetzt Krankenhäusern mit leeren Betten. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie viele Kinder ich an der Krankheit sterben gesehen habe. Doch dank Initiativen wie der Novartis Malaria Initiative können die Menschen hoffen. Wir werden in der Lage sein, die Krankheit wirklich zu bekämpfen und irgendwann, vielleicht eine Generation später, wird es eine Welt ohne Malaria geben.“

Hier können Sie sich das Video mit den Höhepunkten der Veranstaltungen anschauen (in Englisch)

Hier können Sie sich die Präsentationen anschauen (in Englisch)

Weitere Informationen über Malaria finden Sie auf http://www.who.int/topics/malaria/en/

Weitere Informationen über Roll Back Malaria finden Sie auf http://www.rbm.who.int/

Weitere Informationen zur Novartis Malaria Initiative finden Sie unter www.malaria.novartis.com (Englisch)